Adatrad-Blog

Jede Menge vernünftiger Content

Website-Übersetzungen vs. Übersetzer-Websites

Immer wieder werden reihenweise URLs maschinenübersetzter Websites in die entsprechenden Übersetzer-Mailinglists geschickt, deren Besuch bei den Kollegen dann Erheiterung, Empörung oder körperliche Reaktionen bis hin zum Erbrechen auslöst. Ganze Webpräsenzen widmen sich allein dem Thema Übersetzungsfehler.

An die 80.000 Unterseiten hat die dort verlinkte Domain depression-guide.com im Google-Index und das ist noch gar nichts; ich habe schon Projekte gesehen, die es auf mehr als eine Million gebracht haben.

Ich hab’s an anderer Stelle MFA – Made for AdSense schon beschrieben: An der Qualität, weder des Ausgangstextes, noch der Übersetzung, liegt den Betreibern derartiger Projekte gar nichts. Im Gegenteil: Je schwachsinniger der Inhalt, umso größer die Bereitschaft der Besucher, die Seite über die dort geschalteten Pay-per-click-Anzeigen wieder zu verlassen.

Ist natürlich eine Art digitaler Umweltverschmutzung und lange leben derartige Projekte in der Regel nicht, denn irgendwann kommt Google immer drauf und schmeißt sie wieder raus; bis dahin hat man aber meist schon lange das nächste Ding am Start, eine vielversprechende Nische gefunden, entsprechende Texte für 3 Cents pro Wort in Auftrag gegeben, maschinell deren Übersetzung in möglichst viele Sprachen erledigt und den ganzen Müll automatisiert ins Netz gepumpt.

Gesagt werden muss aber auch mal:
Auf dem gleichen Niveau wie diese Übersetzungen sind auch die meisten Übersetzer-Websites, sogar die von Berufsverbänden und offiziellen Adressen, im deutschen Netz: Mit grafischen Editoren selbst zusammengeklickt oder bei einem Kollegen, der ein paar Brocken HTML kann, in Auftrag gegeben, weit entfernt von allen Webstandards, von der von der EU geforderten Barrierefreiheit und von den Google-Richtlinien für Webmaster, Websites, die elektronisch überhaupt nicht oder zumindest nur sehr schlecht verarbeitet und indiziert werden können und sich dem Besucher auf dem Niveau fotokopierter Visitenkarten präsentieren.

Übersetzer und Webmaster gönnen sich gegenseitig also offenbar eher weniger. Der Unterschied: Die einen verdienen einen Haufen Geld damit, die anderen verlieren einen Haufen Geld.
Aber zum Glück gibt’s ja die nofactory, übrigens gerade frisch gestrichen! ;-)

Most Commented Posts

Einen Kommentar schreiben

Übersetzer-Blog • Veröffentlicht unter Creative Commons BY-NC-SAWP-Theme • CMS: Wordpress • Webdesign: nofactory.eu