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Transit Satellite PE? Nein danke!

Transit Satellite PE ist ein Schlag ins Gesicht des Übersetzers, der nicht nur bestohlen, sondern total entmündigt wird.

Vor Kurzem habe ich nach längerer Zeit mal wieder eine technische Übersetzung angenommen, nach noch längerer Zeit von einer Agentur. Weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat: Der Auftrag kam aus der Schweiz, sehr guter Preis, mehrere tausend Zeilen ohne Eile und ein Stoff, den ich im Schlaf runterschreiben kann. Dass die Übersetzung in Transit Satellite gefordert war, habe ich bei der Annahme des Auftrags zwischen Tür und Angel erstmal völlig übersehen; war mir dann aber auch egal. Ich kannte Transit Satellite vom Sehen, hatte, als die Software im Sommer 2001 auf den Markt kam, schon damit zu tun. Da allerdings nicht in meine Sprachrichtung. Alle Kollegen haben geflucht, aber da war es ja deren Problem; diesmal war es meins – und es war eins. Ich bin wirklich beeindruckt von der Geringschätzung, die die STAR Group der Arbeit des Übersetzers entgegenbringt.

Sofort nach der Installation habe ich mich darüber gewundert, dass dieses lausige Stück Software, bzw. die Version, mit der der Übersetzer zu tun hat, seit ihrem Erscheinen vor acht Jahren kein Stück weiterentwickelt wurde. Die Entwicklungsarbeit hat man offenbar allein auf die Hauptsoftware beschränkt.

Es gibt ein einziges für den Übersetzer brauchbares Keyboard Shortcut: [Alt+Einfg] um ein Segment als übersetzt zu markieren (wenn man ziemlich lange in dem auch seit acht Jahren nicht überarbeiteten Benutzerhandbuch ohne Suchfunktion (!) herumklickt, findet man noch acht weitere Shortcuts, von denen aber sechs ein Plus oder Minus der Zehnertastatur enthalten, die ein moderner Laptop natürlich gar nicht hat). Brauchbar ist jedenfalls nur das genannte [Alt+Einfg]. Insbesondere bei technischen Texten mit sehr kleinen Segmenten wird die Übersetzungsarbeit so zu einem einzigen schwachsinnigen Gerühre und Geklicke mit der Maus, da die geforderten Mausbewegungen auch noch so umständlich, wie eben möglich, angelegt sind.

Man kann ein Zieltextsegment z. B. nicht mit einem Klick komplett selektionieren, sondern muss den Cursor vor das erste Zeichen bringen und bei gedrückter linker Maustaste über den gesamten Text des Segments bis hinter das letzte Zeichen fahren, um den Ausgangstext, der auch im Zieltextsegment steht (?) löschen zu können.

Man schreibt also – das ist der schnellste Weg – im Zieltextsegment seine Übersetzung vor den Ausgangstext und lässt nach dem letzten Zeichen den rechten Zeigefinger auf der Entfernen-Taste ruhen, um den Ausgangstext von vorne nach hinten wegzusaugen, bis der Cursor vom abschließenden Tag gestoppt wird, worauf ein nerviges Klingeln hinweist. Nach dem nervigen Klingeln das Satzendezeichen setzen und per [Alt+Einfg] das Segment als übersetzt markieren und – wenigstens das automatisch – mit einem erneuten nervigen Klingeln in das nächste Segment springen.

Bereits vorübersetzter Text wird nicht im zu beschreibenden Zieltextsegment angeboten, sondern erscheint in einem Extrafenster. Statt einer schnellen Tastenkombination ist zum Übernehmen der Übersetzung auch hier die Maus gefordert und man muss per Rechtsklick in diesem Extrafenster das Kontextmenü aufrufen, um darin an die unterste Position zu fahren und “Accept Translation” anzuwählen.

Textformatierungen werden, auch wenn eine komplette Kapitelüberschrift fett ausgezeichnet ist, nur selten automatisch übernommen (wann und wann nicht, habe ich immer noch nicht begriffen), das heißt: Jedesmal den übersetzten Text nachträglich wie oben beschrieben umständlich selektionieren und dann hoch ins Menü, um auf das dicke B zu klicken.

Um abends das Projekt extern zu sichern (was ja bei Übersetzungen von einigen tausend Zeilen ganz empfehlenswert ist, falls der Rechner mal den Geist aufgibt), reicht es nicht aus, das Projekt zu exportieren und die exportierte Datei zu speichern, denn man kann sie nicht wieder importieren, das kann nur die Agentur! Also gibt’s nur eins: Im bei der Installation von Transit selbst angelegten Projektordner das betreffende Projekt aufsuchen, alle Projektdateien einpacken und auf den externen Datenträger oder ins Netz schieben. Wenn man dann auf einem zweiten Rechner ebenfalls Transit installiert und auch dort noch einmal das jungfräuliche Projekt empfängt, kann man die eingepackten Projektdateien über die dort angelegten kopieren, was auch der einzige Weg ist ein Projekt oder Teile eines Projekts an einen Kollegen weiterzugeben.

Auf www.dreckstool.de kann man dieser Schweinerei seine Stimme geben.

Es scheint zwar Möglichkeiten zu geben, dem Schwachsinn Grenzen zu setzen – der ukrainische Kollege Arkady Vysotsky hat ein Makro entwickelt, das es ermöglicht, Transit-Dateien in ein Trados-kompatibles Format umzuwandeln [Download: PlusToyz.zip] – das Beste ist aber sicher, den Müll einfach zu boykottieren, nur – und das kennen wir ja – wenn einer Nein sagt, stehen gleich zehn andere da und schreien Ja.

Übrigens: Mit Sven Baders Mausometer könnt Ihr messen, wieviele Kilometer Eure Maus für eine Transit Satellite-Übersetzung zurückgelegt hat:
www.svenbader.de/…

Und wusstet Ihr, dass es beheizte Mäuse gibt? Gibt es:
www.comfortable-computing.com/…

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16 Reaktionen zu “Transit Satellite PE? Nein danke!”

  1. westernworldNo Gravatar

    was ist aus dem guten alten urtext schwarz übersetzung grün oder rot absatzweise oder in 5zeilen häppchen geworden?

    dieses transit satellite ist irgendwie keine hilfe, bringt es dem auftraggeber einen vorteil?

  2. Dirk NolteNo Gravatar

    Dem Auftraggeber bringt es alle Vorteile, die eigentlich dem Übersetzer gehören. Der Auftraggeber reißt sich die Translation Memory unter den Nagel und profitiert auch in Zukunft – anstelle des Übersetzers – von der geleisteten Terminologie-Recherche.

  3. MaritaNo Gravatar

    Sehr interessant, die ausführliche Meinung zu Transit Satellite PE. Ich stimme dieser Meinung vollkommen zu. Ich war bei Transit-Projekten immer im höchsten Maße genervt und hatte das Gefühl, dass ich wesentlich langsamer arbeite als sonst oder dass die mir von der Agentur gegebene Wortzahl niedriger als die tatsächlich in Transit zu übersetzende Wortzahl war. Allerdings war die Agentur sehr nett, professionell, korrekt, fair, zuverlässig etc. und ich ging mal davon aus, dass die Wortzahl womöglich doch stimmte. Aber jeder macht Fehler, hätte ja auch sein können, dass die das Tool auch nicht beherrschen. Ich fühlte mich diesem Tool irgendwie hilflos ausgeliefert, keine Konkordanzfunktion, keine Überprüfung der Wortzahl möglich, keine Ahnung, was da alles im Memory war und in welches “Loch” meine Übersetzung verschwand (kein TM wie bei Trados). Ich hasse Transit wie die Pest!

  4. Hans LentingNo Gravatar

    Die Satellite-Version ist eine kastrierte Voll-Version. Die Voll-Version (Transit XV) ist jedoch sehr leistungsfähig und man kann damit sehr produktiv arbeiten. Die Dateifilter sind ganz grosse Klasse (wenn man sie mit SDL oder Déjà Vu vergleicht). Und mit Macro ToolWorks habe ich fehlende Shortcuts selber hinzugefügt. Konkordanzsuche ist natürlich auch drin. Wortzählung auch.

    Man kann aufgrund der Gratis-Version einfach keine Aussagen über die Voll-Version machen…

    Hans

  5. Dirk NolteNo Gravatar

    @Hans, danke für Deinen Kommentar.

    Ich glaube Dir das gerne. Ich habe auch keine Aussagen über die Hauptsoftware gemacht.

    Falsch ist: “Die Satellite-Version ist eine kastrierte Voll-Version.”
    Man kann hier nicht von Vollversion und “kastrierter” Gratisversion reden. Transit Satellite PE ist Teil der Hauptsoftware und war und ist Voraussetzung für den Verkaufserfolg von Transit.

    Hauptsoftware in Händen der Agentur und Satelliten-Version in den Rechnern der Übersetzer, die damit für 10 Cents pro Wort echte Fließbandarbeit verrichten, ist wohl die Standardkonstellation.

  6. BritNo Gravatar

    Hallo Übersetzer,

    ich bin eigentlich DTP und arbeite seit vielen Jahren im ÜB-Bereich. Transit Satellite kenne ich etwas.
    Mein Problem ist folgendes: Habe letztes Jahr Transit Prof. XV als Testversion geprüft. Nun habe ich alle Infos zusammen, Übersetzer und Preise usw. Leider ist seit Okt. 2008 TRansit NXT
    “im Umlauf”. Kostenunterschied alt: 1755 + MWST neu knapp 3000 + MWST. Bis Ende Juni bekäme ich von Star 20% Rabatt. Supportvertrag
    kostet inzw. statt 300 Euro schlappe 590 Euro (wofür???).
    Für mich als Privatperson kommt inkl. diverser Filter so einiges zusammen. Frage mich, ob ich mir das wirklich antun soll?
    Der Übersetzungsmarkt hat ja geboomt in den letzten Jahren. Daran wollte Star wohl ein sehr großes Stück abschneiden. Nun kam die Finanz- und Wirtschaftskrise von Übersee dazwischen. Jeder der mit Transit Prof. XV arbeitet, wird dabei bleiben, alle anderen zögern. Das merken auch die Transit-Vertriebler…
    Naja, letztendlich muß ich mich mit Transit NXT abfinden und in den sauren bzw. teuren Apfel beißen, da Star seine Produkte selbst vertreibt. Oder hast du eine Idee, wo ich Transit Prof. XV
    herbekomme? Habe schon im Internet gesucht, aber ohne Erfolg.

    Viele Grüße
    Brit

  7. Dirk NolteNo Gravatar

    Hallo Brit,

    kann ich leider überhaupt nicht weiter helfen, keine Ahnung, habe mit Transit nur dieses eine oben beschriebene erste und sicher letzte mal zu tun gehabt.

    Möglicherweise erhältst Du in den Übersetzer-Mailinglisten Antwort:
    http://tech.groups.yahoo.com/group/pt_/
    http://www.techwriter.de/thema/u-forum.htm

  8. KlausNo Gravatar

    Wenn ich, was zum Glück nur alle Jubeljahre vorkommt, gebeten werde, mit dem Sch…ding zu arbeiten, dann nur gegen entsprechenden Aufpreis, da ja die Produktivität im Vergleich zu anderen marktüblichen Tools wirklich deutlich geringer ist. Wer den nicht bezahlen möchte, muss eben ohne mich auskommen…

  9. TorstenNo Gravatar

    Nochmals zum PXF-Format – Transit-Dateien lassen sich prima mit der aktuellen Version 3.5 von MemoQ öffnen und exportieren (weil ich gerade heut morgen dransitze). Theoretisch sollte das auch nach der Demophase von 60 (45? 30?) Tagen funktionieren (Einschränkung AFAIK: nur ein TM), allerdings ist die Vollversion von MemoQ dankenswerterweise um einiges preiswerter als die o.g. Transit-Vollversion, von Funktionalität ganz zu schweigen.

  10. Jerzy CzopikNo Gravatar

    Die PlusToyz stehen jetzt auf meiner neuen Website, der Link oben ist tot. Nimmt stattdessen diesen: http://privat.tts-td.com/PlusToyz.zip
    Um Transit Satellite (und XV eigentlich) mache ich mit diesem Tool seit Jahren einen Bogen.
    Die Meinung zum Satellite teile ich uneingeschränkt.
    Jedoch kann man die Wortzahl finden, auch kann man die vorgeschlagene Übersetzung mit einem Tastaturbefehl übernehmen.
    Dennoch, das Tool ist Schrott.

  11. adminNo Gravatar

    :-D Herzlichen Dank, Jerzy, ich hab den Link im Artikel korrigiert.

  12. MichaelNo Gravatar

    Wenn jemand keine Ahnung von der grundlegenden Bedienung einer PC-Tastatur hat (inkl. Tastenkombinationen), dann sollte er einfach die Anleitung zu Transit lesen, auch wenn diese keine Suchfunktion hat und Du endlos scrollen musst. Vielleicht solltest Du sowieso das komplette Dokument lesen. Dann brauchst Du Dich auch nicht über anscheinende Defizite in der Software zu beklagen. An Deiner Unfähigkeit, eine simple Software zu bedienen, ist der Hersteller nicht schuld.

    Ich mache mir jetzt doch die Mühe, einige Tastenkombinationen bei Transit aufzuzählen (eigentlich sollte sich der Bediener selbst darüber informieren). Natürlich kann man ein komplettes Segment markieren, man kann sehr wohl ein Segment aus dem TM in den Zieltext übernehmen, uvm.

    Aber wie schon gesagt: Wenn der Bediener selbst unfähig ist, mit Hilfe des Computers einen Text in Fettschrift umzuwandeln, oder durch einfaches Gedrückthalten der Taste Strg komplette Wörter zu Entfernen, oder das lästige Klingeln in den Windows Systemsteuerung abzuschalten, dann liegt dies nicht an der Software.

    Ich ärgere mich als Übersetzer jedoch darüber, dass ein Großteil aller Kunden ein populistisches Trados fordert, das mit kaum zu beschreibender Trägheit und Umständlichkeit reihenweise Word-Makros abarbeitet. Ein Microsoft Word macht eben keinem Angst und jeder kann es bedienen. Jedenfalls sollte dies Vorausgesetzt werden. Hinweise zur Umwandlung von Normalschrift in Fettdruck finden sich in der Bedienungsanleitung zu Word. Einfach danach suchen.

    Viele Grüße,
    Michael

  13. MichaelNo Gravatar

    Sehr nett. Ich habe vor einigen Wochen meine (positive) Meinung zu Transit abgegeben. Anscheinend ist man auf dieser Seite aber nicht an anderen Meinungen als der von Dirk Nolte interessiert. Kein Problem, werden unliebsame Artikel eben einfach gelöscht. Sehr professionell.

  14. Lars BerglundNo Gravatar

    Muss über Transit Satellite PE zustimmen. Unerträgliches
    Programm – aber den geschenkten Gaul… usw.

    Und bitte sag mir jemand:
    Wie schaltet man da die Zeichenüberschreibung aus??

    Wenn möglich bitte per email antworten
    skandok@directbox.com
    schaue nicht häufig hier vorbei.

    Gruss
    L. Berglund

  15. JohannaNo Gravatar

    Stimme Artikel rückhaltlos zu. Habt ihr übrigens versucht, Vista und Satellite PE zu kombinieren? Das ist wirklich zum Heulen. Den “einziges für den Übersetzer brauchbares Keyboard Shortcut: [Alt+Einfg]” füht nur dazu, dass das Programm abstürzt. Idem [ALT + ENTER]. Dagegen kann die Gebrauchsanweisung NICHTS.

    Zu Vergleichen mit der kostenlose Version von Across, die WENIGSTENS einigermassen funktioniert.

    Johanna

  16. cochraneNo Gravatar

    Ein schlechtes Programm, einverstanden. Allerdings kann man beim Arbeiten eine Konkordanzfunktion trotzdem verwenden.

    ApSIC Xbench (kostet nichts) ermöglicht viele verschiedene TMs zu importieren (auch mehrere verschiedene gleichzeitig) und sein einiges Suchfunktion zu benutzen.
    http://www.apsic.com/en/downloads.aspx

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