Preise auf der Website nennen. Ja oder nein?
Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich auf den Websites von Übersetzern lande, die statt die Preise für ihre Dienstleistung zu nennen, John Ruskin zitieren, oder dem Besucher die branchenüblichen Berechnungsgrundlagen erklären.
Wenn ich selbst ein Produkt oder eine Dienstleistung im Netz suche und ein Anbieter mir keinerlei Anhaltspunkt zur Einschätzung der Kosten, die auf mich zukommen liefert, dann geh ich zum nächsten, und zwar einigermäßen verärgert darüber, dass mir meine Zeit gestohlen wurde.
Ich habe daher immer meinen bestmöglichen Preis auf der Website angegeben (den für die Übersetzung von Korrespondenz und allgemeinen Texten) und wenn der Kontakt einmal hergestellt war, meist glaubhaft erklären können, warum die rechercheintensive Übersetzung eines technischen Fachtextes oder die publikationsreife Übersetzung einer Produktpräsentation dem Übersetzer etwas mehr abverlangt. Ich gebe zu, das ist ein bisschen auf dem Niveau dieser 33%-Gratis-Produkte, aber Marketing ist eben auch das und ein freiberuflicher Übersetzer ist nun mal ein Handwerker und Unternehmer und kein Literat.
Auch in den AdWords-Anzeigen, die ich seit Jahren genau beobachte, war es bislang verpönt, Preise zu nennen. Das ist offenbar vorbei. Seit ein paar Wochen bombardieren jetzt plötzlich die Billiganbieter (Agenturen!) die Werbeflächen mit nackten Zahlen.
(Da kann ich sowieso nicht mehr mithalten, das ist ungefähr die Hälfte meines bestmöglichen Preises als Direktanbieter. Ich werd mir wohl auch einen Ehemann in besser verdienender Festanstellung zulegen müssen, wenn ich weiterhin übersetzen will. Will ich aber nicht, weder den Ehemann, noch unter den Bedingungen, die ich kommen sehe, weiterhin übersetzen.)


