Übersetzung Photovoltaik

Ich weiß nicht, wieviele Photovoltaik-Übersetzungen aus dem Italienischen ins Deutsche ich in den letzten Jahren angefertigt habe; jedenfalls sind meine Translation-Memories voll davon und ich schreibe das Zeug inzwischen im Schlaf runter.

SolartechnikEs ist ja bezeichnend, dass Italien, wo immer die Sonne scheint, die Bauelemente für Photovoltaikanlagen in Deutschland, wo es immer regnet, bestellen muss und deutsche Firmen mit dem Bau der Anlagen beauftragt.

Einigermaßen beeindruckt waren wir vor einigen Jahren auf einer Kurzreise nach München zu einem Auftraggeber, dass ab 22:00 Uhr die Straßen auf einmal merklich dunkler wurden, weil nur noch jede zweite Straßenlaterne eingeschaltet war; die Rolltreppen in den U-Bahnhöfen fuhren erst an, wenn man sich ihnen näherte; Zeituhren für die Haustreppenbeleuchtung kenne ich schon seit meiner Kindheit.

In Italien undenkbar: Unser verschlafenes Dorf am Meer, Ostia (Rom), leuchtet jede Nacht, auch im Winter, wenn überhaupt keiner da ist, wie Las Vegas; in allen Hausfluren brennt das Licht die Nächte durch, und das, obwohl Italien ungefähr die Hälfte seines Strombedarfs in Deutschland und Frankreich einkaufen muss. Jetzt versuchen sie der Sache also mit deutscher Solartechnik beizukommen. Soll mir recht sein.

Armes, dummes Italien.



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Übersetzungsauftrag: Zuschlag für den Niedrigstbietenden

Das Versteigern von Übersetzungsaufträgen scheint der ganz neue Dreh zu sein.

Für 18 Euro wird die gerade aktuelle Übersetzung eines Pressetextes aus dem Deutschen ins Englische angeboten.
versteigern

Macht’s einer für 17 Euro? Dann schnell zu MyHammer.

“Der Text kommt aus der Musikrichtung.”



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Kundenakquise: Tipps für Übersetzer

5 Akquise-Tipps aus dem letzten Jahrhundert gibt es bei moovoom.com.

5 Steady Methods To Find Translation Jobs:

  1. Kauf Dir eine Translation Agency Database mit den Adressen von Übersetzungsagenturen.
  2. Sieh Dir die auf Websites wie Elance.com ausgeschriebenen Übersetzungsaufträge an.
  3. Inserier in den Gelben Seiten.
  4. Setz Dich mit den örtlichen Handelsverbänden in Verbindung.
  5. Setz Dich mit den Auslands- und Kulturbehörden der Länder Deiner Arbeitssprachen in Verbindung.

Einen für dieses Jahrhundert leg ich noch drauf: Bau Dir eine suchmaschinentaugliche Website oder lass sie Dir bauen und warte am Strand auf Deine Kunden (oder im Garten) (oder in der Bar) (oder bei Twitter).



Nennen Sie uns Ihren Preis

Nennen Sie uns Ihren Preis und wir werden sicher irgendeinen Schwachkopf finden, der bereit ist, dafür zu arbeiten.

Auch nicht schlecht, die Idee des smarten, menschlichen Übersetzungsdienstleisters Tomedes, der seinen Kunden jetzt anbietet, selbst den Preis für eine bestellte Übersetzung zu nennen:

uebersetzung-preise

Und so geht’s:
Der Kunde sendet die zu übersetzenden Texte per Datei-Upload und erhält das beste Angebot.
Erscheint dieses ihm zu hoch, gibt Tomedes ihm die Möglichkeit, den Preis, den er für die Übersetzung zahlen möchte, selbst zu bestimmen.
Der Kunde bestellt die Übersetzung zu dem von ihm festgelegten Preis.
Daraufhin wird der Auftrag unter angeschlossenen Übersetzern und auf was weiß ich welchen Kanälen “versteigert” und geht an den Niedrigstbietenden.
In dem Fall, dass für den festgelegten Preis kein Übersetzer zu finden ist, wird der Kunde benachrichtigt. Ich wette aber, dass das noch nicht vorgekommen ist.

Via Riccardo Schiaffino



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Warnung vor Billiganbietern

In den letzten Monaten habe ich geschätzte 30 Angebote erstellt, teilweise auch mit dem potentiellen Auftraggeber telefoniert, und dann den Auftrag aus offensichtlichen Gründen nicht erhalten. Jetzt habe ich mir eine schöne Antwort für solche Fälle einfallen lassen (siehe unten), die vor ein paar Tagen erstmalig zum Erfolg geführt hat.


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie mit Ihnen heute schon telefonisch besprochen, sende ich Ihnen in der Anlage eine MSWord-Datei mit der Bitte, mir Ihren Kostenpunkt für die Übersetzung ins Italienische mitzuteilen.

Für Ihre Mühe im voraus vielen Dank.


Guten Tag Herr …,

Die Datei “italienisch.doc” enthält 140 Normzeilen (1 Normzeile = 55 Zeichen), deren Übersetzung ins Italienische wir Ihnen für 210,- Euro anbieten können. Lieferung innerhalb von 3 – 4 Arbeitstagen ab Auftragserteilung.

Freundliche Grüße
D. N.


Sehr geehrter Herr N.,

Vielen Dank für die schnelle Antwort, aber der Preis ist mir leider zu hoch.

Grüße


Sehr geehrter Herr …

dafür haben wir natürlich Verständnis.

Für den Fall, dass Sie Ihren Text einem der zahlreichen, momentan auf den Markt drängenden Billiganbieter anvertrauen und von einer italienischen Hausfrau mit deutschem Ehemann oder einem Schüler übersetzen lassen:
Für das Lektorat, Korrektorat des Ergebnisses werden üblicherweise 40 – 60% des normalen Zeilenpreises berechnet. Allerdings ist in den meisten Fällen die Anfertigung einer neuen Übersetzung der bessere Weg.

Freundliche Grüße
D. N.


Sehr geehrter Herr N.,

vielen Dank für die Info. Ich möchte Ihnen den Auftrag doch erteilen und sende Ihnen anliegend die um einige Zeilen ergänzte Datei mit der Bitte um Übersetzung gem. Angebot.

Mit freundlichen Grüßen



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Google-Abstrafung und Entfernung aus dem Google-Index

Letzte Woche habe ich eine nette Mail von Google Search Quality erhalten; dachte erst, da erlaubt sich wieder mal jemand einen Scherz, aber nein: War echt.

“Sehr geehrter Inhaber oder Webmaster von adatrad.com/blog,

Beim Indizieren Ihrer Webseiten mussten wir feststellen, dass auf einigen Ihrer Seiten Techniken angewendet werden, die nicht unseren Richtlinien für Webmaster entsprechen… Wir haben vorübergehend einige Ihrer Webseiten aus unseren Suchergebnissen ausgeschlossen, um die Qualität unserer Suchmaschine zu gewährleisten.”

Wie genau das vor sich geht weiß ich nicht, jedenfalls haben irgendwelche Schweinehunde meine header.php mit angesagten Pharmaprodukten vollgeknallt. Dass Google das nicht gefällt, ist verständlich. Schöner Schreck. Von über 250 Unterseiten waren nur noch 40 im Index: Die statischen Seiten der Domain, die Seiten also, über die uns unsere Kunden finden! Auch nett von Google, dass die nicht gleich die ganze Domain aus dem Index genommen haben. Dann wären wir nämlich erstmal wieder arbeitslos gewesen.

Auf der Website ist die im Quelltext versteckte Sauerei natürlich nicht sichtbar, deshalb kommt man auch von selbst gar nicht so schnell drauf; in den Suchergebnislisten sieht das so aus:

oh oh

Wie ich sehe, bin ich nicht der einzige: Entfernung aus dem Google-Index.

Ich hab das Zeug also wieder rausgelöscht und via Google Webmaster-Tools einen Reinclusion-Antrag gestellt. 3 Tage später war alles wieder okay. Bin beeindruckt!

Allerdings werde ich mich langsam wohl doch mal mit dem Thema Wordpress und Sicherheit beschäftigen müssen.



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Synchronisation von Filmen

Was zeichnet eine gute Synchronisation aus?

Aus einem Interview mit dem Geschäftsführer einer erfolgreichen deutschen Synchronfirma auf jetzt.sueddeutsche.de.

Der letzte Film, bei dem es in der öffentlichen Diskussion auffällig viel um die Synchronisation ging, war „Willkommen bei den Sch’tis“. Ist die Synchronisation darin Ihrer Meinung nach gelungen?

Und ob! Die Übersetzung dafür hat Beate Klöckner übernommen, die dieses Jahr völlig zu Recht mit dem deutschen Synchronpreis ausgezeichnet wurde. Sie hat eine komplett neue Sprache erfunden, und damit jeden einzelnen Witz aus dem Original auch in die deutsche Fassung hinübergerettet. Gerade Humor bedarf ja oft nicht nur einer sprachlichen, sondern auch einer kulturell-angepassten Übersetzung. Ohne diese phänomenale Synchronisation wäre ein Film wie „Willkommen bei den Scht’is“ nie in die deutschen Kinos gekommen, geschweige denn so erfolgreich gewesen.”

“Willkommen bei den Scht’is”, Trailer



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Umfrage: Entwicklung des Geschäftsjahres 2008

Downturn, Upturn oder Status Quo fragt Global Watchtower.

277 freiberufliche Übersetzer weltweit wurden zum Verlauf des vierten Quartals 2008 befragt. Für 3/4 der Teilnehmer ist das Quartal trotz allgemeiner Krise “gut” oder “zufriedenstellend” verlaufen; eine “große Anzahl” räumte allerdings ein, sich hinsichtlich der Preise unter Druck zu fühlen. Trotzdem gaben mehr als 3/4 der Befragten an, ihre Preise im kommenden Quartal nicht senken zu wollen. Eine Zusammenfassung gibt’s auf der Global Watchtower Website. Registrieren, einloggen und die kostenlose Kopie des Umfrageergebnisses herunterladen.

Via Corinne McKay



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Transit Satellite PE? Nein danke!

Transit Satellite PE ist ein Schlag ins Gesicht des Übersetzers, der nicht nur bestohlen, sondern total entmündigt wird.

Vor Kurzem habe ich nach längerer Zeit mal wieder eine technische Übersetzung angenommen, nach noch längerer Zeit von einer Agentur. Weiß auch nicht, welcher Teufel mich da geritten hat: Der Auftrag kam aus der Schweiz, sehr guter Preis, mehrere tausend Zeilen ohne Eile und ein Stoff, den ich im Schlaf runterschreiben kann. Dass die Übersetzung in Transit Satellite gefordert war, habe ich bei der Annahme des Auftrags zwischen Tür und Angel erstmal völlig übersehen; war mir dann aber auch egal. Ich kannte Transit Satellite vom Sehen, hatte, als die Software im Sommer 2001 auf den Markt kam, schon damit zu tun. Da allerdings nicht in meine Sprachrichtung. Alle Kollegen haben geflucht, aber da war es ja deren Problem; diesmal war es meins – und es war eins. Ich bin wirklich beeindruckt von der Geringschätzung, die die STAR Group der Arbeit des Übersetzers entgegenbringt.

Sofort nach der Installation habe ich mich darüber gewundert, dass dieses lausige Stück Software, bzw. die Version, mit der der Übersetzer zu tun hat, seit ihrem Erscheinen vor acht Jahren kein Stück weiterentwickelt wurde. Die Entwicklungsarbeit hat man offenbar allein auf die Hauptsoftware beschränkt.

Es gibt ein einziges für den Übersetzer brauchbares Keyboard Shortcut: [Alt+Einfg] um ein Segment als übersetzt zu markieren (wenn man ziemlich lange in dem auch seit acht Jahren nicht überarbeiteten Benutzerhandbuch ohne Suchfunktion (!) herumklickt, findet man noch acht weitere Shortcuts, von denen aber sechs ein Plus oder Minus der Zehnertastatur enthalten, die ein moderner Laptop natürlich gar nicht hat). Brauchbar ist jedenfalls nur das genannte [Alt+Einfg]. Insbesondere bei technischen Texten mit sehr kleinen Segmenten wird die Übersetzungsarbeit so zu einem einzigen schwachsinnigen Gerühre und Geklicke mit der Maus, da die geforderten Mausbewegungen auch noch so umständlich, wie eben möglich, angelegt sind.

Man kann ein Zieltextsegment z. B. nicht mit einem Klick komplett selektionieren, sondern muss den Cursor vor das erste Zeichen bringen und bei gedrückter linker Maustaste über den gesamten Text des Segments bis hinter das letzte Zeichen fahren, um den Ausgangstext, der auch im Zieltextsegment steht (?) löschen zu können.

Man schreibt also – das ist der schnellste Weg – im Zieltextsegment seine Übersetzung vor den Ausgangstext und lässt nach dem letzten Zeichen den rechten Zeigefinger auf der Entfernen-Taste ruhen, um den Ausgangstext von vorne nach hinten wegzusaugen, bis der Cursor vom abschließenden Tag gestoppt wird, worauf ein nerviges Klingeln hinweist. Nach dem nervigen Klingeln das Satzendezeichen setzen und per [Alt+Einfg] das Segment als übersetzt markieren und – wenigstens das automatisch – mit einem erneuten nervigen Klingeln in das nächste Segment springen.

Bereits vorübersetzter Text wird nicht im zu beschreibenden Zieltextsegment angeboten, sondern erscheint in einem Extrafenster. Statt einer schnellen Tastenkombination ist zum Übernehmen der Übersetzung auch hier die Maus gefordert und man muss per Rechtsklick in diesem Extrafenster das Kontextmenü aufrufen, um darin an die unterste Position zu fahren und “Accept Translation” anzuwählen.

Textformatierungen werden, auch wenn eine komplette Kapitelüberschrift fett ausgezeichnet ist, nur selten automatisch übernommen (wann und wann nicht, habe ich immer noch nicht begriffen), das heißt: Jedesmal den übersetzten Text nachträglich wie oben beschrieben umständlich selektionieren und dann hoch ins Menü, um auf das dicke B zu klicken.

Um abends das Projekt extern zu sichern (was ja bei Übersetzungen von einigen tausend Zeilen ganz empfehlenswert ist, falls der Rechner mal den Geist aufgibt), reicht es nicht aus, das Projekt zu exportieren und die exportierte Datei zu speichern, denn man kann sie nicht wieder importieren, das kann nur die Agentur! Also gibt’s nur eins: Im bei der Installation von Transit selbst angelegten Projektordner das betreffende Projekt aufsuchen, alle Projektdateien einpacken und auf den externen Datenträger oder ins Netz schieben. Wenn man dann auf einem zweiten Rechner ebenfalls Transit installiert und auch dort noch einmal das jungfräuliche Projekt empfängt, kann man die eingepackten Projektdateien über die dort angelegten kopieren, was auch der einzige Weg ist ein Projekt oder Teile eines Projekts an einen Kollegen weiterzugeben.

Auf www.dreckstool.de kann man dieser Schweinerei seine Stimme geben.

Es scheint zwar Möglichkeiten zu geben, dem Schwachsinn Grenzen zu setzen – der ukrainische Kollege Arkady Vysotsky hat ein Makro entwickelt, das es ermöglicht, Transit-Dateien in ein Trados-kompatibles Format umzuwandeln [Download: PlusToyz.zip] – das Beste ist aber sicher, den Müll einfach zu boykottieren, nur – und das kennen wir ja – wenn einer Nein sagt, stehen gleich zehn andere da und schreien Ja.

Übrigens: Mit Sven Baders Mausometer könnt Ihr messen, wieviele Kilometer Eure Maus für eine Transit Satellite-Übersetzung zurückgelegt hat:
www.svenbader.de/…

Und wusstet Ihr, dass es beheizte Mäuse gibt? Gibt es:
www.comfortable-computing.com/…



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Prokrastination. Übersetzungen prokrastinieren.

Vor ein paar Tagen habe ich den Auftrag angenommen, ungefähr das gesamte Tourismusangebot des Nordostens Italiens zu übersetzen. Von der Curling-Weltmeisterschaft in Cortina d’Ampezzo (interessant: Der einzige Ort der Welt, an dem es den speziellen Granit, aus dem der Stone, der Eisstock gemacht wird gibt, ist eine kleine schottische Vulkaninsel 10 Meilen vor der Küste von Ayrshire namens Alisa Craig) über den Treviso-Marathon bis zum Don Carlos in der Arena di Verona ist alles dabei: Ein Honig-Museum in der Po-Ebene (für ein Kilo Honig muss eine Bienenfamilie sechsmal um die Erde fliegen), die Lamon-Bohne, ein Colli Euganei Cabernet Doc zu Käse und Akazienhonig, ein braungebrannter Bademeister, dem die Haare in die Stirn fallen, und jede Menge hohles Gesülze der involvierten Tourismus-Assessoren.

Jedenfalls insgesamt 30 Texte, alle um die 150 Zeilen. Ich habe mir also einen bequemen Fahrplan ausgeklügelt, nach dem ich in aller Ruhe jeden Morgen 300 Zeilen übersetze (das Zeug schreibt man ja so runter), um pünktlich am nächsten Montag zu liefern.

Wenn ich mich morgens, nachdem ich meinen kleinen Legolas in die Schule gebracht habe, mit einer Tasse Tee vor den Bildschirm setze, lese und kommentiere ich natürlich erstmal die wichtigsten Beiträge der von mir abonnierten Blogs, die italienischen und manchmal auch die deutschen Nachrichten, sehe mir die Statistiken meiner Netzprojekte an, begrüße meine Twitter-Follower und werfe einen Blick in meinen Friendfeed, mein Facebook und vielleicht sogar in meine Postfächer. Danach öffne ich dann in einem zweiten Browser-Fenster so langsam schon mal die Datei, an der ich heute arbeiten wollte und das Set an Websites, Glossaren usw., das ich dafür brauche. Gerade geöffnet stoße ich auf den Tweet eines befreundeten Filmkritikers, der die Oscar-Verleihung erwähnt. Eigentlich interessiert mich kaum was weniger als Oscar-Verleihungen, aber diesmal war Mickey Rourke dabei; also kurz losgesurft und nachgesehen, was aus ihm geworden ist. Im nächsten Tweet desselben Followers dann auch noch der Hinweis darauf, dass Werner Herzogs “Mein Liebster Feind – Klaus Kinski” fast komplett auf YouTube steht. Ich koch mir also noch einen Tee und seh mir die ersten drei Teile an, sende zwischendurch immer mal eine unverzichtbare Statusmeldung an Twitter und witzel da ein bisschen mit meinen Leuten rum. Danach kehr ich nochmal zu der drei Stunden vorher geöffneten Arbeitsdatei zurück, um zu checken, was ich da noch vor mir habe, dann wird es auch schon langsam Zeit über das Mittagessen nachzudenken und bei der Gelegenheit noch schnell ein kleines Posting in meinem Küchenblog abzulegen.

“Kein Wunder ist das ja, dass wir an dem Hungertuch nagen”, sagt meine aktuelle Lebensabschnittsbegleiterin und Mutter eines meiner Kinder.

Montag werde ich jedenfalls den Kunden anrufen und versuchen, mit einem Festplattenschaden oder sowas durchzukommen.

Auch die Kollegin Gabriele Zöttl vom für Übersetzer und alle anderen, die mit der deutschen Sprache arbeiten, lesenswerten Über-Setzer-Logbuch äußert sich über das in der letzten Zeit häufig strapazierte, von vielen bereits zum Unwort gekürte Wort Prokrastination, das – und ich glaube, da irrt sie sich – “ein weiterer überflüssiger Anglizismus” sei. Das Wort Prokrastination entstammt dem lateinischen Procrastinatio (Aufschub) und war mir schon vor dem Web 2.0 geläufig. Im alten Rom wurde damit das Aufschieben von Aktionen, insbesondere im militärischen Bereich bezeichnet, die Entscheidung, nicht zu handeln, sondern abzuwarten und mal zu sehen, was passiert und wie die Dinge sich entwickeln.

Von einem Anglizismus kann also keine Rede sein, auch wenn das mit einem sich durch die explosionsartig anwachsende Anzahl an digitalen Freelancern radikal verändernden Arbeitsmarkt entstandene aktuelle Phänomen naturgemäß zuerst in den USA auftauchte.

Und überflüssig ist es auch nicht: Ihr müsst Euch mal ganz frankensteinmäßig im Halbdunkel vor Euren Kindern aufbauen und es mit aufgerissenen Augen ohne Vokale aussprechen PRKRSTNTN, die lachen sich tot. Meine jedenfalls.

Das Buch zum Thema von Ingeborg Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig und Sascha Lobo bei Amzon kaufen:



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