dm-LINGUA – Vorstellungsgespräch als Verkaufsveranstaltung
“Das Sprachinstitut dm-Lingua mit Niederlassungen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Lüneburg und Moskau sucht “freiberufliche Dolmetscher und Übersetzer für alle Sprachen in Vollzeit“. Der eine hat das Job-Angebot im Stellenpool der Arbeitsagentur gefunden, ein anderer bekam es von seiner Sachbearbeiterin zugeschickt. Im Vorzimmer treffen sich die Bewerber. Alle müssen zunächst einen Anmeldebogen ausfüllen. Auf der Rückseite sollen sie mit Kugelschreiber einen Baum zeichnen – warum, bleibt unklar.
David Mikaelian, Chef des Sprachinstituts, empfängt immer zwei Kandidaten auf einmal. Der Armenier, der in Moskau studiert hat, vor 15 Jahren nach Hamburg kam und dort 1999 sein Sprachinstitut gründete, präsentiert sich auf seiner Internetseite als aufstrebender Geschäftsmann mit besten Verbindungen zu Politik und Kultur. dm-LINGUA wirbt mit dem Slogan “Ihre Sprache sprechen wir” und bietet Übersetzungen in 90 Sprachen an. Mikaelian schenkt Wasser ein und plaudert. Doch über Arbeitsbedingungen, Bezahlung oder künftige Aufträge erfahren die Bewerber nichts. Mikaelian macht lediglich klar, dass er Übersetzer braucht, die auch als Dolmetscher einsetzbar sind. Dafür müssten sie sich zuerst fortbilden. Er drückt ihnen einen Prospekt mit Seminaren seines Instituts in die Hand und empfiehlt ein Rhetorik- und Sprechtraining zum Preis von 192 Euro sowie eine dreistündige Einführung in das Dolmetschen für 150 Euro. Für künftige Mitarbeiter gelte ein Sonderpreis von 298 Euro für beide Kurse.”
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“Nach dem Vorstellungsgespräch am Potsdamer Platz erhalten die Bewerber immer wieder E-Mails und Anrufe des Instituts mit Einladungen zu den Seminaren. Ein paar Wochen später flattert ihnen ein Probeauftrag ins Haus. Sie sollen einen Text übersetzen – ein erster Auftrag, der “leider nicht vergütet werden kann”.
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“Im Stellenpool der Arbeitsagentur wurde das Angebot innerhalb von zweieinhalb Monaten fast 1800 mal aufgerufen.”
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2007/05/19/742587.html


