Der eine vereinbart Linkpartnerschaften mit zahlreichen Kollegen und löscht die vereinbarten Backlinks auf die Seiten der Kollegen nach einiger Zeit knochentrocken ohne Bescheid zu geben wieder aus dem Netz. Ein anderer anwortet mir auf die Bitte meinen Suchmaschinen-Workshop für Übersetzer in seine Sammlung “Nützliche Links für Übersetzer” aufzunehmen mit “Nö, keine Lust, das Thema kann ich auch selbst abdecken” (wörtlich zitiert, stimmt wirklich!) - kann er übrigens nicht! Und eine dritte pöbelt wild gegen die deutsche Lokalisierung einer Open-Source-Software, die sie selbst seit Jahren kostenlos nutzt, anstatt zur Sache beizutragen und 2 - 3 Sätze zu übersetzen. Nachdem ein kurzer Artikel von mir über den Fall die Runde gemacht hat und die Sache an einigen Stellen einigermaßen empört zitiert wurde, schreibt die mir, ich möge ruhig weiter auf ihr rumhacken, jedem sein Steckenpferd. Leute gibt’s!
Es ist überhaupt nicht mein Steckenpferd, irgend jemandem an die Karre zu fahren. Nur das stinkt alles zum Himmel. Aber schön zu sehen, wie demokratisch, trotz allem das Netz am Ende doch ist und die step by step alle weg räumt. Ich schreibe in Rätseln? Ich weiß. Na und? Ist ja mein Blog!
Wieder mal erst mit einer Woche Verspätung mitgekriegt, aber trotzdem noch kurz vermerkt:
Nach Millionenverlusten im Jahr 2007 wird der Brockhaus-Verlag zum 15.4.2008 mit einem werbefinanzierten, für den Nutzer kostenlosen Lexikonportal online gehen und setzt dabei natürlich (ciao Wikipedia) auf “Relevanz”, “Richtigkeit” und vor allem “Sicherheit“. Das Portal soll allen Menschen ermöglichen, “am relevanten, nicht manipulierbaren »Brockhaus-Wissen« teilzuhaben”. Die Chefredakteurin ist die ehemalige Redaktionsleiterin von »Brigitte.de« und »YoungMiss.de«.
Hier der Link zur Pressemitteilung von Brockhaus.
Weitere Links:
Handelsblatt Weblog: Der stille Tod des Brockhaus
Basic Thinking: Brockhaus goes online - Modell 19. Jahrhundert.
Golem: Online-Lexikon schlägt das klassische Vorbild - Erneut hat das Wissen der Massen die Spezialisten geschlagen: In einem Test, den der Stern in Auftrag gegeben hat, schnitt die Wikipedia deutlich besser ab als die Konkurrenz von Brockhaus. Überraschenderweise steht in dem Bürgerlexikon mehr Richtiges als im professionellen Nachschlagewerk. Dieses weist auch Mängel bei der Aktualität auf.
“Die Behauptung, Oboe spielen würde wegen des benötigten hohen Luftdrucks das Gehirn schädigen, ist falsch, da das Gehirn durch die Schädelbasis gegen den Luftdruck geschützt ist.” Da freuen wir uns für die Oboisten unter uns.
Das Übersetzen technischer Texte ist ein ziemlich eigenartiger, halb mechanischer/halb kreativer Prozess und wer schon einmal über einen längeren Zeitraum unter Hochdruck eine 1000-Zeilen Übersetzung nach der anderen zu bewältigen hatte und den bis zur Übelkeit führenden Widerstand kennt, den das Gehirn ab einem bestimmten Punkt zu leisten in der Lage ist, der weiß, wovon ich rede. Gut kann das auch nicht sein - und in den letzten Jahren nährt sich in mir der Verdacht verheerender Langzeitwirkungen dieses Effekts.
Unter den Oboisten gibt es sicher einige, die mehr als solide Handwerker sind. Bei technischen Übersetzern ist das anders: Sicher gibt es besonders gut ausgebildete, besonders erfahrene, möglicherweise auch besonders begabte Handwerker, aber Handwerker und Dienstleister sind und bleiben wir, mehr nicht.
Offenbar haben einige der von mir - nicht besonders liebevoll - Dinosaurier genannten, arrivierten Kollegen das irgendwie aus den Augen verloren. Von denen findet man in den diversen Übersetzer-Mailinglisten durchschnittlich an die 20 Posts am Tag, in denen die zu jedem Scheißdreck irgendwas Wichtiges zu sagen haben.
In der eigens für derartige Delirien eingerichteten Schwesterliste der größten italienischen Mailinglist für Übersetzer kratzen sich die verhinderten NobelpreisträgerInnen in schöner Regelmäßigkeit zu jedem nur erdenklichen Thema die Augen aus.
Ich versteh nicht, warum die nicht bloggen, bin überzeugt, das könnte denen helfen.
Lustig: Der Betreiber dieser Seite wandelt hunderte von eingehenden natürlichen Links knochentrocken in minderwertige reziproke um, weil er offenbar überzeugt ist, die Suchmaschinen folgen nicht dem ausgehenden Link zum Ziel, sondern dem eingehenden zum Ursprung zurück:
“Über diese Seite bekommen die Suchmaschinen mit, dass es da noch mehr Links auf meine Website gibt.”
Der Betreiber “reibt sich” laut eigener Aussage “seit vielen Jahren mit den Suchmaschinenalgorithmen” und gibt seine Erfahrungen sogar in Seminaren weiter.
Na, da wünsch ich rege Teilnahme aus dem Kreis meiner direkten Konkurrenten im Netz.
Prost!
Unser Projekt The Checklist - eine italienischsprachige Mailinglist, in der technische Übersetzer, die Aufträge von Agenturen beziehen, sich bei den Kollegen über Erfahrungen mit der Zahlungsmoral der bei ihnen anfragenden Agenturen informieren können, hat mehr als 2 1/2 Jahre gebraucht, um es auf 600 Mitglieder zu bringen und damit langsam endlich auch international zu funktionieren.
[Wenn eine indische oder australische Agentur eine Englisch Italienisch Übersetzung, für die man 300 Euro in Rechnung stellt, nicht zahlt, kann man diese 300 Euro eigentlich abschreiben. Was man (als Italienisch Übersetzer) tun kann, ist sich vorher bei der Checklist zu erkundigen, ob unter den Kollegen jemand bereits für diese Agentur gearbeitet hat und wie das gelaufen ist.]
Dass die Checklist Anfang 2004 nicht schon im Keim erstickt wurde, ist erstaunlich. In den einschlägigen italienischen Listen und Foren wurde den Kollegen beschwörend angeraten, lieber die Finger davon zu lassen und die bewährten Möglichkeiten der bereits vorhandenen Plattformen zu nutzen (”lasst das bloß sein, Ihr werdet wegen Rufschädigung und übler Nachrede angezeigt”). Irgendein deutscher Dorfanwalt wurde dahingehend zitiert, dass eine Mailinglist ein öffentlicher Raum wäre und damit der Tatbestand der Diffamierung gegeben sei. In der Liste selbst wurde lang und breit Sinn und vor allem Unsinn der Idee an sich und ihrer Umsetzung diskutiert.
Von den inzwischen mehr als 600 Abonnenten hat es bis heute kaum einer gewagt, einen Link zu setzen. Ihre Mitglieder hat die Checklist zum großen Teil über Suchanfragen nach Ressourcen für Übersetzer gefunden, die bei ein paar Artikeln zu verwaltungstechnischen und steuerrechtlichen Aspekten der freiberuflichen Übersetzertätigkeit auf der Hompage der Liste gelandet sind.
Vor einiger Zeit habe ich einem der hier ja mehrfach angesprochenen Dinosaurier, über den ich mich in den Anfangszeiten der Liste mal geärgert habe, den Beitritt verweigert. Ich weiß: Das war saublöd, kleinlich, kindisch, keine Frage, aber ich habe die Anfrage irgendwann spät abends gesehen und hatte schon ein paar Bierchen intus und da kam der schnelle Klick aufs “NO” wie von selbst und den kann man eben nicht mehr rückgängig machen, aber ehrlich gesagt: So richtig Leid tuts mir immer noch nicht.
Ein paar Sommerlochzeilen: Einem der Dinosaurier der deutschen Übersetzerbranche, der neben einigen gut frequentierten Mailinglisten für Terminologiefragen und technische Probleme, sowie für das Einstellen und Abrufen von Übersetzungsaufträgen, seit 1999 eine relativ umfangreiche Webseite mit Ressourcen und Linksammlungen für Übersetzer und Technische Redakteure betreibt, habe ich vor einiger Zeit eine Mail mit der Bitte, dort auch auf meinen Suchmaschinen-Workshop zu linken, gesendet (ich bin mit dieser Anfrage aber nicht aus dem Nichts gekommen, es gab schon vorher ein paar Mailwechsel):
“Hallo |||||,
ich arbeite momentan an einem Workshop zur Suchmaschinenoptimierung, speziell für Übersetzer.
Sieh doch mal rein, wenn Du Zeit hast. Über einen Verweis würde ich mich freuen:
http://www.adatrad.com/blog/workshop-suchmaschinenoptimierung/.Grüße”
Wenn man eine Link-Anfrage erhält, gibt es in der Regel zwei Möglichkeiten. Entweder man setzt den Link oder man beantwortet die Anfrage nicht. Ich erhalte einige Zeit später folgende irritierende Antwort:
“Hallo,
mittlerweile habe ich mal reingesehen: Der Ansatz ist etwas anders als meiner - in mancher Beziehung abstrakter. Vielleicht ruhe ich da etwas mehr in meinen eigenen Erfahrungen und hänge weniger von Angelesenem ab. Aber ich fand nichts, was mir gegen den Strich gegangen wäre….
Grüße
|||||”
Beh? Ich noch mal hingeschrieben: Dass ich mit Verweis einen Link gemeint habe [vielleicht hat er das ja nicht richtig verstanden], einen Link auf ein für interessierte Kollegen sicher ganz nützliches Angebot.
Antwort:
“Nein, keine Lust: Das Thema kann ich auch ohne fremde Hilfe abdecken. Meine einschlägigen Seminare (*) sind hinreichend bekannt. Es wird sie auch kommendes Jahr wieder geben.”
(*) Zur Erheiterung hier ab und an freundlich vorbeischneiender Seos werde ich bei Gelegenheit mal ein paar Links auf einige besonders absurde Unterseiten der eingangs genannten Webpräsenz setzen, so dass man sich ein Bild von dem Know-How machen kann, auf dem diese einschlägigen Seminare basieren.
Man kann mir ruhig mal blöd kommen, ohne dass ich darauf gleich reagieren muss. Auch, dass der erbetene Link nicht da stehen wird, wo er hingehört, ist nicht weiter tragisch. Definitiv tragisch ist aber die dem zugrunde liegende Konstellation: Einigen sehr wenigen Platzhirschen unserer Branche, die sich bereits vor 8 - 9 Jahren ein gewisses Minimal-Know-How angeeignet haben, ist es gelungen, eine Monopolstellung für Ihre Angebote zu erarbeiten, die es Ihnen erlaubt, immer und überall selbstgefällig ihren samentötenden Senf dazu zu geben und nach selbstgemachten Regeln zu spielen.
Allerdings: Genausowenig, wie es an Google liegt, wenn, wie oft bemängelt, die Qualität der Suchergebnisse speziell für unseren Markt zu wünschen übrig lässt, sondern an der mangelnden Qualität der Angebote, liegt es letztlich nicht an den paar hier, hier und hier genannten Dinosauriern, wenn es für die Übersetzerbranche keine ausgewogenen Infrastrukturen gibt, sondern an den Übersetzern selbst. Man muss sich mal vorstellen, dass es für ich weiß nicht wie viel tausend technische Übersetzer allein in Deutschland nur eine Handvoll Informationsplattformen, Mailinglisten, Blogs, Foren gibt, deren Betreiber sich die Nutzung zum Teil auch noch bezahlen lassen. Das sind Mechanismen, die im heutigen Internet nichts mehr zu suchen haben.
Dass das so möglich ist liegt sicher zum einen an der existentiellen Unsicherheit des in sein Berufsleben startenden Freiberuflers, der sich sein Tätigkeitsfeld erstmal aufbauen muss und sowieso mit jedem Mist allein da steht, zum anderen daran, dass kaum jemand sich die wenigen Kenntnisse aneignet, die erforderlich sind, um Alternativen aufzubauen und sich seinen Markt und seine Arbeitsumgebung selbst zu gestalten.
Bekloppte Diskussion über die sinnvolle Gestaltung von Webseiten in einer der größeren europäischen Übersetzer-Mailinglisten:
Einer der Teilnehmer bat den Kollegenkreis, seine gerade online gestellte Website zu besuchen und zu kommentieren: Was kann man besser machen? Was überhaupt ist bei der Erstellung einer Webseite zu beachten? Was ist wichtig? …
“Die Neukundengewinnung natürlich” meldete ich mich zu Wort. Es ging mir darum, darauf hinzuweisen, dass es gar nicht so schwer ist, sich direkte Kunden zu erarbeiten und man den Markt nicht den Agenturen überlassen sollte, die Aufträge genau dieser Kunden dann für einen Hungerlohn an uns Übersetzer weitergeben. Sicher haben Agenturen Ihren Sinn (z. B. für Unternehmen, die mehrsprachige Lösungen suchen), aber wahrscheinlich reicht dafür ein Viertel der tatsächlich am Markt vorhandenen. Das Problem ist: Wer mit Suchmaschinen nach einem Italienisch Deutsch Übersetzer sucht, findet keinen Italienisch Deutsch Übersetzer, findet nicht uns Übersetzer, sondern neben Online-Übersetzern, Wörterbüchern, Wikipedia, usw., lediglich ebendiese Vermittler von allgemeinen Sprachdienstleistungen. Dabei ist es kinderleicht, bei speziellen Suchanfragen mit einem speziellen Angebot (Beschränkung auf 1 Sprachkombination, bestimmte Fachgebiete) an denen vorbei zu kommen.
Am Ende haben die mir dann erklärt, dass einer der eingangs als Beispiel für eine technisch sehr mangelhafte, ausgesprochen suchmaschinenunfreundliche Webseite herangezogenen Webauftritte, auf dessen Besprechung deren selbstgefällige Betreiber die ganze Diskussion in Null Komma Nichts reduziert haben, ganz bewusst genauso angelegt sei, um eine “Intelligenzhürde” einzubauen, damit nicht jeder “Depp” die Seite besuche und man mit den ganzen “unqualifizierten Anfragen” kämpfen müsse. Die von mir recherchierten, von an genau dem Angebot interessierten Suchmaschinennutzern am häufigsten benutzten Suchbegriffe, habe man ganz bewusst nicht verwendet, weil man sonst einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellen müsste, der nur die ganzen “leseunfähigen Möchtegernübersetzer” aussortiert, die Ihre Bewerbungen, Curricula senden. (”Die Verzweiflung in dieser Welt ist groß. Nur ändert sich daran nichts, wenn die Verzweifelten uns zumüllen”). Tja, die haben wirklich an alles gedacht. Das hat mich dann auch überzeugt; wovon behalte ich lieber für mich.
Wie, das glaubt mir keiner? Das war genau so!
Also: Liebe leseunfähigen Möchtegernübersetzer, liebe Deppen, liebe Verzweifelten, lest den Suchmaschinenworkshop und fahrt mal bei den dort verlinkten Adressen vorbei, bastelt Euch eine vernünftige, suchmaschinenfreundliche, schlichte Webseite (oder lasst sie Euch für ein paar Kröten basteln), pflegt sie und holt Euch Eure Kunden selbst.
Die Betreiber des Übersetzerportal gehörten zu denen, die relativ früh begriffen haben, dass man eine Webseite durch Linkpartnerschaften in den Ergebnislisten der Suchmaschinen gehörig pushen kann.
Mit folgendem Text bemühte sich das Übersetzerportal seinerzeit auf einer von der Startseite verlinkten Unterseite um Partner:
“Wir möchten dadurch die so genannte Link Popularity des Übersetzerportals erhöhen. Je mehr Links von außen auf das Übersetzerportal zeigen, desto höher rangiert es in den Trefferlisten der Suchmaschinen. Das gilt umgekehrt natürlich ebenso für Ihre Website.”
Auf der speziell für den Linktausch angelegten Seite des Übersetzerportal haben sich dann im Lauf der letzten Jahre also so einige Partnerlinks auf Kollegen, die im Gegenzug selbst auf das Übersetzerportal gelinkt haben, angesammelt. Nachdem das Übersetzerportal in den letzten Jahren einen zahlungspflichtigen Katalog aufgebaut hat (Eintrag 50,- Euro/Jahr), ist die Linktauschseite des Übersetzerportal plötzlich still und heimlich verschwunden. Ich habe daraufhin mal beim Übersetzerportal angefragt
Hallo Übersetzerportal,
wir haben vor einiger Zeit mal die Links getauscht.
Die Seite http://www.uebersetzerportal.de/info/linktausch.htm mit den Links auf unsere und die Seiten zahlreicher Kollegen, mit denen Sie in den letzten Jahren Linkpartnerschaften eingegangen sind, ist, nachdem sie schon einige Zeit gar nicht mehr mit dem Menü oder anderen Seiten des Übersetzerportal verlinkt war, jetzt ganz aus dem Index: “Error 404 - Not found”.
Soll das wirklich so sein?
Freundliche Grüße
Darauf antwortete das Übersetzerportal lapidar, man habe nicht nur die Linktauschseite, sondern auch das Quiz eingestampft. Auch den Veranstaltungskalender werde es in Zukunft nicht mehr geben.
Für blöd verkauft werden wir dann also auch noch.
Entschuldigung,
das Quiz interessiert mich nicht, der Veranstaltungskalender auch nicht.
Die Seite mit Ihren Linkpartnern hätten Sie doch einfach stehen lassen können. Das Erarbeiten von Linkpopularität ist ja für den Übersetzer als Einzelunternehmer ein ziemlich mühseliger Teil seines Marketings. Wenn die Linkpartner dann Partnerseiten einfach “einstampfen”, ist das natürlich keine Kleinigkeit.
Freundliche Grüße
Darauf erhielten wir dann keine Antwort mehr. Die Wayback-Machine hat die ehemalige Partnerseite natürlich noch im Archiv. Falls ich nicht der einzige bin, der sich durch diese Aktion des Übersetzerportal gelinkt fühlt.
Webdesign und Suchmaschinenoptimierung: nofactory.eu
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