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Übersetzer-Websites: Disclaimer, Haftung für Links

Disclaimer, Haftungsausschluss, Haftung für Links auf Webseiten von Übersetzern

Ihr kennt ja die allgegenwärtigen 24er-Domains: keyword-24.tld

private-krankenkasse-24, kredit-ohne-schufa-24, zahnersatz-24; unzählig die Variationen auch in der Übersetzungsbranche: uebersetzer-24, uebersetzungen-24, uebersetzungsbuero-24… mit und ohne Bindestrich, als com-, net-, de-Domain… Hier die Liste der best sold 24 domains 2009-2010: www.bestdomain24.com. Läuft gut, die Sache.

jodtabletten-24.de ist übrigens noch frei, falls jemand interessiert ist. Ausreichend Zynismus würde ich möglicherweise noch aufbringen, allerdings fehlen mir die Infrastrukturen und das nötige Kleingeld für Textbroker & Co., um die Mengen zweitklassigen Contents zu generieren, die man braucht, wenn die Sache was einbringen soll.

Ein schönes Beispiel dafür, wie man so ein Ding gewinnbringend aufzieht, ist das Projekt eRecht24, deren Betreiber es geschafft haben, ihr Portal mit inzwischen 23.000 (Stand 04/2011) mit Werbe-Ads gut bestückten Unterseiten mehr als 70.000 mal (Stand 04/2011) mit dem Keyword Rechtsanwalt verlinken zu lassen.

Man kann dort kostenlos ein individuelles, rechtssicheres Impressum von einem Impressum-Generator generieren lassen und Mustertexte für Disclaimer und Abmahnungsfälle aller Art unter der Bedingung den Link zu setzen, kopieren und auf seiner Website einbauen.

Auf den Websites von Judovereinen, evangelischen Kindergärten, Kleingartenverbänden, Blumengeschäften und auch auf zahlreichen Übersetzer-Websites, auf denen nicht selten überhaupt keine ausgehenden Links gesetzt wurden, finden wir die eRecht24-Disclaimertexte samt Quellenangabe mit Link:”Quelle: Disclaimer von eRecht24, dem Portal zum Internetrecht…

Natürlich kann ich jeden verstehen, der sich das Zeug auf die Website pappt; würde ich auch tun: Schaden kann’s nicht, laut eRecht24 bin ich damit auf der sicheren Seite und es besser zu wissen kostet Zeit, die man nicht hat oder besser investieren kann, als in ein Thema, mit dem man nicht sowieso zu tun hat. Wer sich trotzdem ein paar Minuten zur Sache nehmen will: Warum Disclaimer dem WWW schaden.

In Deutschland werden online-Angelegenheiten regelnde Gesetze offenbar immer noch von Offlinern erarbeitet. Und da kommen die tollsten Sachen bei raus. Ulla Schmidts Bundesgesundheitsministerium hat 2006 in holprigem Deutsch darauf bestanden, vor dem Setzen eines Links auf die Website des Ministeriums die Erlaubnis dafür zu beantragen: “Wir freuen uns, dass Sie auf unsere Seite einen Link setzen wollen. Diese Erlaubnis ist jederzeit widerrufbar und gilt nur, wenn Sie die nachfolgenden Regeln einhalten: Der Vertragspartner teilt dem BMGS innerhalb von 24 Stunden nach Setzen des Links durch eine E-Mail an die Adresse info@bmg.bund.de das Setzen des Links bzw. die Freischaltung der betreffenden Seite mit.” Das war ein köstlicher Spaß, so schnell ist im deutschen Netz wahrscheinlich kaum eine andere statische Website tausendfach verlinkt worden.

Fear of spiders, of Facebook, Street View, Google Analytics. Internetsperren, Jugendmedienschutz-Staatsvertrag… zum Glück betrifft mich der ganze an den Haaren herbeigezogene Blödsinn außerhalb Deutschlands ja nur am Rande, aber was ich Euch da oben richtig übelnehme ist, dass mit meinem Sohn gedrehte und auf YouTube abgelegte Skateboard-Videos in Deutschland (nur in Deutschland!) nicht ausgeliefert werden, weil wir als Soundtrack eine kurze Soft Machine-Sequenz von 1969 benutzt haben. Konnte ich der deutschen Großmutter natürlich nicht antun, da keine Lösung zu finden. Jetzt muss ich das Audiozeug umständlich von der CD rippen, oder das Video auf einer eigenen COM-Domain einbinden. Dahin darf YouTube liefern und da kann es jetzt auch die deutsche Großmutter sehen: Skateboard Tricks: How To Drop In.


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