Die FAZ stellt zwei Bücher über die Bedeutung von Übersetzungen vor:Peter Utz: „Anders gesagt – autrement dit – in other words“. Utz vertritt die These, dass jede Übersetzung des Originals ein Zugewinn ist. “Da das Übersetzen einen Bedeutungsspielraum zwischen Ausgangs- und Zieltext schafft, kann der Übersetzter durch mikrologische, geduldige Arbeit, sowie durch minutiöse Analysen dem Original einen hermeneutischen Gewinn abverlangen und eine Optimierung erreichen”. (FAZ) |
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Umberto Eco: „Quasi dasselbe mit anderen Worten“. Anders Umberto Eco, der korrekte, treue und angemessene Übersetzungen fordert. „Bereicherungen des Textes durch Übersetzungen sind zu vermeiden“, schreibt Eco in seiner Gegenthese und verteidigt damit seine Forderung nach einem pragmatischen Kompromiss. “Durch die beiden Bücher wird der imaginäre Dialog zwischen Mimesis des Wirklichen und Mimesis von Texten deutlich, in dessen Zentrum der Prozess der Kultur steht.” (FAZ) |
Den momentan allseits beliebten Geschwindigkeitsselbsttest habe ich jetzt auch mal gemacht: Keine 10 Minuten hat es gedauert, bis der vorgestern veröffentlichte kurze Artikel über Harry Rowohlts soeben erschienene Neuübersetzung von Flann O’Brien: Das harte Leben mit der Suchphrase Übersetzung Harry Rowohlt hinter Wikipedia und vor FAZ und Zeit auf Platz 2 der Suchergebnislisten gelandet ist - nicht die Bloghauptseite, sondern die Unterseite selbst:

Genauso schnell ging’s es einen Tag später mit dem Beitrag Änderungen am Google Algorithmus:

Ein SEO-Blogger mit dem unsäglichen Namen eines Fussballbezirksliga-Kapitäns und dem Stil eines Oberstudienrats aus dem frühen 20. Jh., den ich in meinem Feedreader ob der köstlichen Satiren, die er regelmäßig vom Stapel lässt, nicht mehr missen möchte (z. B.: Wie Karl Marx Social Bookmarking optimieren würde), wollte uns schon vor ein paar Monaten weismachen, dass Web 1.0-Links nichts mehr wert sind und wir uns jetzt alle in irgendwelchen Communities rumtreiben müssen, um Kontakte zu machen, Kunden zu finden. Jetzt erklärt er uns, dass der Google-Algorithmus dahingehend geändert wurde, dass nicht mehr die Anzahl und Qualität eingehender Links, sondern die Aktualität einer Seite zum wichtigsten Ranking-Kriterium geworden ist. Das wird jeden (Sprach-)Dienstleister schrecken, der mehr an der Qualität seiner Dienstleistung, als an deren Präsentation im Netz arbeitet; schlecht für den, der die beste Dienstleistung sucht - wenn es denn so wäre.
Laut Johannes Beus geht das Ganze auf … lest selbst: Über die Entstehung von SEO-Gerüchten zurück; an anderer, ebenfalls glaubwürdiger Stelle, werden seologische Schwindelanfälle diagnostiziert. Julian Dziki empfiehlt denen, die keine Ahnung haben, wie z. B. die Computerwoche, den Ball flach zu halten. Endlich mal wieder richtig was los!
Ob es Änderungen am Algorithmus selbst gegeben hat, kann ich nicht beurteilen. Ich stelle jedenfalls fest:
Während Google für die für uns relevanten Keywordkombinationen wie
Übersetzung deutsch italienisch oder Übersetzer italienisch bis Dezember 2007 noch zwischen 1,5 und 2 Millionen Suchergebnisse geliefert hat, werden heute nur noch 200.000 bis 400.000 Ergebnisse für derartige Kombinationen ausgegeben. Die schon in den Artikeln Made for AdSense Paralympics und MFA-Made for AdSense genannten drittklassigen Wörterbücher, die - worüber mit diesen Suchbegriffen suchende Nutzer sich sicher freuen - die ersten Ergebnisseiten dominieren, sind aber von dieser Rationalisierungsmaßnahme weitgehend verschont geblieben. Sehr gelungen auch dieses Seitchen, das für die Suchabfrage “Übersetzung deutsch italienisch” auf Platz 3 und 4 von 198.000 Ergebnissen gelistet wird:

“Wenig bis gar nichts zahlen Verlage jenen idealistisch auf ästhetischen Kulturtransfer abonnierten Männern und Frauen, die uns das nur vermeintlich selbstverständliche Privileg bescheren, anderssprachige Literatur auf gut Deutsch nachlesen zu dürfen. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich die existenziell gebeutelten Übersetzer zumeist mit anderen Dingen beschäftigen müssen, als mit der leidigen Frage, ob eine Übertragung aus dem Polynesischen, dem Isländischen oder dem Katalanischen nun als solide, als ungenügend oder gar als kongenial bewertet wird”, schreibt Hendrik Werner in der Welt-online, möchte aber “ausrufen”, dass er die soeben erschienene Übersetzung von Flann O’Brien: Das harte Leben von Harry Rowohlt “ziemlich sehr kongenial” findet.
Flann O’Brien: Das harte Leben. A. d. Engl. v. Harry Rowohlt. Kein & Aber, Zürich. 158 S.,16,90 Euro.
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