Urheberrecht. Die Sache mit dem Copyright.

Viel geredet wird seit einiger Zeit über das Copyright, gerne auch von Leuten, die das Problem gar nicht verstanden haben, weil sie den Lebens-/Arbeitsbereich, in dem das alte Copyright an seine Grenzen stößt und großen Schaden anrichtet, von innen gar nicht kennen. Es gibt ihn ja auch erst seit einigen Jahren.

Hat keinen Sinn, hier darauf einzugehen. Das Thema wird sich früher oder später von selbst erledigen. Wer wenigstens in Ansätzen wissen will, worum es überhaupt geht, kann sich ja mal das Interview mit Lawrence Lessig (mit deutschen Untertiteln), US-Rechtsprofessor und Entwickler der Creative-Commons-Lizenzen [Was ist CC? - Creative Commons] ansehen, der – auch für Außenstehende anschaulich – erklärt, warum die aktuellen Copyright-Regeln schnellstens weggeräumt werden müssen.

Vor einiger Zeit habe ich, zusammen mit einer meiner unzähligen italienischen Freundinnen, einer echten Pasta-Queen, ein kulturhistorisch wertvolles Filmdokument geschaffen und ins Netz gestellt, wo es inzwischen über 10.000 mal angesehen wurde. Für die Tonspur habe ich die Gymnopédie von Satie verwendet, die bei derartigen Anlässen ja fast immer zum Zug kommen. Genauer: Ich habe keine Audioaufnahme, sondern ein im Netz gefundenes Midi*-File benutzt und in eine Audio-Datei umgewandelt. Der Midi-Produzent wiederum hat die eigenwillige Interpretation irgendeines bekannten Pianisten hergenommen und sehr geschickt digitalisiert (für Kenner: Schön wie die frühe Nachhallzeit jeder 1/4-Note aufgeblasen wurde und so das sonst ja eher verschlafene Geklimper rythmisiert).

Wieviel Copyright-Verletzungen stecken da jetzt drin? Wen habe ich geschädigt?

Das Midi-File habe ich irgendwann Mitte der 90er Jahre aus dem Netz geladen. Auf den brillanten Programmierer kann ich leider nicht einmal verweisen. Ich finde ihn nicht mehr. Den Pianisten kenne ich nicht, der GEMA habe ich nicht Bescheid gegeben und die Erben Saties habe ich auch nicht kontaktiert.

* Das MIDI-Protokoll besteht aus Befehlen zur Ansteuerung der Klangerzeuger in elektronischen Instrumenten und Soundkarten. Dazu werden Befehle übermittelt, wie etwa „Note-on“ („Taste für Note x wurde gedrückt“), „Velocity“ („Anschlagsstärke“) und „Note-off“ („Taste für Note x wurde wieder losgelassen“). Diese Anweisungen werden an einen Klangerzeuger (beispielsweise Synthesizer, Soundmodul oder Soundkarte) geschickt, wodurch dann die entsprechenden Klänge hörbar werden.
[http://de.wikipedia.org/wiki/Musical_Instrument_Digital_Interface]



Themenverwandte Artikel:

Website-Übersetzungen vs. Übersetzer-Websites

Immer wieder werden reihenweise URLs maschinenübersetzter Websites in die entsprechenden Übersetzer-Mailinglists geschickt, deren Besuch bei den Kollegen dann Erheiterung, Empörung oder körperliche Reaktionen bis hin zum Erbrechen auslöst. Ganze Webpräsenzen widmen sich allein dem Thema Übersetzungsfehler.

An die 80.000 Unterseiten hat die dort verlinkte Domain depression-guide.com im Google-Index und das ist noch gar nichts; ich habe schon Projekte gesehen, die es auf mehr als eine Million gebracht haben.

Ich hab’s an anderer Stelle MFA – Made for AdSense schon beschrieben: An der Qualität, weder des Ausgangstextes, noch der Übersetzung, liegt den Betreibern derartiger Projekte gar nichts. Im Gegenteil: Je schwachsinniger der Inhalt, umso größer die Bereitschaft der Besucher, die Seite über die dort geschalteten Pay-per-click-Anzeigen wieder zu verlassen.

Ist natürlich eine Art digitaler Umweltverschmutzung und lange leben derartige Projekte in der Regel nicht, denn irgendwann kommt Google immer drauf und schmeißt sie wieder raus; bis dahin hat man aber meist schon lange das nächste Ding am Start, eine vielversprechende Nische gefunden, entsprechende Texte für 3 Cents pro Wort in Auftrag gegeben, maschinell deren Übersetzung in möglichst viele Sprachen erledigt und den ganzen Müll automatisiert ins Netz gepumpt.

Gesagt werden muss aber auch mal:
Auf dem gleichen Niveau wie diese Übersetzungen sind auch die meisten Übersetzer-Websites, sogar die von Berufsverbänden und offiziellen Adressen, im deutschen Netz: Mit grafischen Editoren selbst zusammengeklickt oder bei einem Kollegen, der ein paar Brocken HTML kann, in Auftrag gegeben, weit entfernt von allen Webstandards, von der von der EU geforderten Barrierefreiheit und von den Google-Richtlinien für Webmaster, Websites, die elektronisch überhaupt nicht oder zumindest nur sehr schlecht verarbeitet und indiziert werden können und sich dem Besucher auf dem Niveau fotokopierter Visitenkarten präsentieren.

Übersetzer und Webmaster gönnen sich gegenseitig also offenbar eher weniger. Der Unterschied: Die einen verdienen einen Haufen Geld damit, die anderen verlieren einen Haufen Geld.
Aber zum Glück gibt’s ja die nofactory, übrigens gerade frisch gestrichen! ;-)



Themenverwandte Artikel:

Glossary Crawler, die Glossar-Suchmaschine

Glossare, Wörterbücher, mehrsprachige Terminologie-Listen… Unmengen wertvoller Netzfundstücke, Links zu hilfreichen Ressourcen, werden täglich in die Übersetzer-Mailinglisten gepumpt, wo sie einen Tag später natürlich wieder vergessen sind. Einiges davon versucht die Kollegin @extramittel (Twitter) in einer Mister Wong-Gruppe zu retten; weitere Unmengen sind leider nicht greifbar, weil die Vorteile der öffentlichen Bookmarkverwaltung, wie ich kürzlich staunend erfahren habe, offenbar doch nicht überall überzeugen und viele Übersetzer ihre Lesezeichen lieber auf der eigenen Festplatte speichern. Jetzt ist das Elend vorbei, denn jetzt gibt’s den Glossary Crawler, eine Suchmaschine für Glossare, Wörterbücher, Terminologie-Ressourcen, die wir in den letzten Tagen montiert und aus den eigenen Beständen bei delicious & Co gefüttert haben.

glossary-crawler

Und so geht’s:
Google stellt mit Google Coop seinen Algorithmus für den Aufbau einer eigenen Maschine zur Verfügung. Mit dem Google-Marker, einer Schaltfläche für die Bookmarkleisten von Opera, Firefox und den Internet Explorer, kann eine gerade geöffnete Seite in den Index aufgenommen werden.
cse-marker

Nach dem Anklicken der Marker-Schaltfläche erscheint das nachfolgende Pop-up-Fenster (hätte ich fast geschrieben, habe ich zugegebenermaßen auch in Übersetzungen schon geschrieben, aber natürlich erscheint es nicht: “Es wird geöffnet“. Stimmt, danke!):

cse
Maximal 3 Klicks also: Marker-Schaltfläche > Option “Just this page” (!) > “Save”.
(”Include” ist natürlich voreingestellt, “Just this page” nimmt nur die gerade geöffnete Unterseite in den Index auf.)

Mal sehen, ob was brauchbares dabei rauskommt, wenn wir für ein paar Monate jeden Tag den ein oder anderen aus den Mailinglists gefischten oder sonstwo gefundenen URL in den Index aufnehmen. Falls mir jemand seine exportierten Browser-Bookmarks oder in Word- und Excel-Dateien angelegte Lesezeichen-Listen sendet, freue ich mich natürlich; genauso wie über Anregungen, Kritik, Fehlermeldungen. Die Sache steht ja ganz am Anfang.

Vielleicht macht ja auch jemand mit. Anfragen per Email mailto:no@nofactory.eu.

(Der Internet Explorer scheint es bis zur Version 6 nicht auf die Reihe zu kriegen, die Inline-Frames, in denen die Suchergebnisse angezeigt werden, richtig darzustellen und zerschießt mir mein schönes Design. Ich werde aber bestimmt nicht mehr auf Tour durch die Foren gehen und nach Hilfe schreien. Hier kann man diesem Albtraum aller Webdesigner seine Stimme geben: www.dreckstool.de.)



Themenverwandte Artikel:

Know-how: Technische Dokumentation Software-Dokumentation

Jede Menge Know-how in Sachen Technische Dokumentation, insbesondere Software-Dokumentation bietet die Website indoition.com.

Neben mehr als 250 nützlichen Links gibt es Checklisten und aktuelle Marktübersichten zu rund 300 Help Authoring Tools, Screen Capture Tools, Screencasting Tools und anderen für Technische Redakteure und Übersetzer nützlichen Werkzeugen. Alle Infos lassen sich auch als Broschüre im PDF-Format herunterladen (ca. 100 Seiten).


Alles was man sonst noch wissen muss, um heile ins Netz und wieder raus zu kommen, gibt’s in Zukunft bei internet-sachen.de.



Themenverwandte Artikel:

Guido Westerwelle reloaded

Ein Beitrag von Mario Nowak

Pfiffig anpacken

Guido Westerwelle hat sich auf seiner ersten Pressekonferenz als designierter neuer Außenminister der Bundesrepublik Deutschland geweigert, einem BBC-Reporter auf Englisch zu antworten. So weit, so unspektakulär. Was danach geschah, folgte nur der üblichen Dynamik in solchen Fällen: Der politische Gegner echauffierte sich, der Boulevard jubelte, die “Bild” stampfte flugs eine Online-Umfrage aus dem Boden, ob Westerwelle auf seinen Pressekonferenzen Deutsch sprechen dürfe, bei der – wenig überraschend – eine Dreiviertelmehrheit zustimmend votierte. Einen Tag später war der Spuk allerdings auch schon wieder vorbei. Die Videos bei YouTube waren von der Startseite verschwunden, weder “Tagesschau” noch “heute” berichteten mehr darüber, sowieso nicht Sender wie RTL2, wo die so genannten “Nachrichten” ohnehin oft nur die Fortsetzung der Werbung mit anderen Mitteln sind. Auch die “Bild” hatte sich längst wieder anderen Themen zugewandt, zum Beispiel den “Sexy Fashion Weeks” und der Frage, in welchem Outfit Michelle Hunziker wohl “Wetten dass …?” moderieren wird. In Bezug auf Westerwelle stellt sich das Blatt derweil die Frage, ob er nicht einen guten “Superminister” abgäbe.

Da er es nicht getan hat, wird sich letztlich nicht klären lassen, ob und wie gut Westerwelle auf der Pressekonferenz hätte auf Englisch antworten können. Auf den einschlägigen Plattformen kursierte vor der Bundestagswahl 2009 ein Video, das zumindest den Schluss nahe legt, er habe in Sachen Englischkenntnisse durchaus noch Spielraum nach oben. Allerdings soll dieses Video einige Jahre alt sein und Westerwelle hinzugelernt haben. Man muss jedoch kein Prophet sein, um zu ahnen, dass beides – das alte Video mit dem sich sichtlich und hörbar schwer tuenden Westerwelle und das neue mit seinem Auftritt bei der Pressekonferenz – miteinander verquickt werden wird. Verquickungen der ganz üblen Art lassen sich zudem erkennen, wenn man sich einmal ein paar Kommentare zu Westerwelles Pressekonferenz im Onlineangebot der Bild-Zeitung ansieht. »Wird in Moscheen, die sich auf deutschen Boden befinden, auch Deutsch gesprochen?«, heißt es da, oder: »In Deutschland hat man deutsch zu sprechen, noch dazu bei solchen Auftritten wie es hier der Fall war, wem das nicht gefällt, braucht nicht hierher zu kommen, fertig.« Oder: »Kein Haßprediger [sic] soll sich hinter seiner türkischen oder arabischen Sprache verstecken …«

Ebenfalls nicht klären lassen wird sich, ob der BBC-Reporter als Stein des Anstoßes tatsächlich kein Deutsch konnte, ob er eine Dolmetscherin an seiner Seite hatte, ob er Westerwelle nur auf den Zahn fühlen wollte und was sich die BBC im Zweifelsfalle dabei gedacht hat, einen Vertreter ohne Deutschkenntnisse auf diese PK zu schicken. Fakt ist lediglich, dass sich eine Dame erboten hat, Westerwelles Antwort zu übersetzen. Gewertet wird der Auftritt des FDP-Politikers allgemein jedenfalls höchst unterschiedlich. “Bild” stuft Westerwelles Reaktion erwartungsgemäß als “höflich” ein, der “Independent” sieht das naturgemäß anders und breitet als Retourkutsche genüsslich noch einmal Westerwelles Zeiten als “Spaßpolitiker” mit “Guidomobil” und Gastauftritten bei “Big Brother” aus. Kommentator Philip Hensher wiederum hält im selben Blatt dagegen: “Dr Westerwelle was perfectly within his rights to tick off the reporter.” In den diversen Übersetzer-Foren im Netz wurde der Auftritt des BBC-Reporters wahlweise als “höflich” oder “nassforsch” gewertet. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wollte die BBC jedoch einfach nur einen O-Ton Westerwelles auf Englisch haben, der keiner weiteren Bearbeitung mit einem Begleitkommentar aus dem Off bedurfte. Ihr Pech war, dass auf der PK anscheinend sonst so wenig los war und so wenig gesagt wurde, dass eine Marginalie plötzlich Nachrichtenwert hatte. Denn völlig losgelöst von der kurzfristig alles überlagernden Episode mit dem BBC-Reporter sollen auch deutsche Journalisten ganz allgemein eine gewisse Inhaltsleere auf der bewussten Pressekonferenz moniert haben. Phoenix-Moderator Gerd-Joachim von Fallois wird mit den Worten zitiert: “Wir Journalisten sind ja nicht freiwillig hierher gelaufen, sondern von der FDP eingeladen worden. Wenn Herr Westerwelle aber keine Fragen beantworten will, hätte man sich das auch sparen können.”

Ein Ruhmesblatt war Guido Westerwelles Auftritt also ohnehin nicht unbedingt. Souverän wäre es von ihm gewesen, wenn er sich gegenüber dem BBC-Reporter gar nicht erst in Erklärungen und Rechtfertigungen des Kalibers “Dies ist Deutschland” ergangen hätte. Ein kurzes: “Ich würde es vorziehen, Ihre Frage auf Deutsch zu beantworten – haben Sie einen Dolmetscher dabei?” hätte es auch getan. Noch besser wäre es gewesen, er hätte sich vorab über die akkreditierten Journalisten informiert und entsprechend für Dolmetscher gesorgt. Dass er es am Tag darauf für nötig hielt, ungefragt darauf hinzuweisen, die Präsidiumssitzung der FDP habe “ausschließlich in deutscher Sprache” stattgefunden, macht die Sache auch nicht besser. Wer Westerwelle nicht mag und ohnehin noch nie mochte, stürzt sich jetzt auf diese Lappalie. Natürlich stünde es einem Außenminister in spe gut zu Gesicht, wenn er Englisch sprechen könnte – und am besten natürlich auch noch Französisch, Spanisch, Arabisch, Russisch und Mandarin. Aber nicht vorhandene oder nur mittelprächtige Fremdsprachenkenntnisse machen Westerwelle im Umkehrschluss nicht zwangsläufig zu einer schlechten Besetzung für das Außenamt. Er sollte nur gegebenenfalls der Versuchung widerstehen, künftig mit Macht seine Englischkenntnisse unter Beweis stellen zu wollen. Für Sprachmittlung gibt es schließlich Dolmetscher(innen) und Übersetzer(innen), die etwas von ihrem Fach verstehen.

Dass sich einzelne Medien der angeblichen »Englischfalle« widmen würden, in die Westerwelle getappt sein soll, obwohl er ja gar nicht Englisch gesprochen hat, war eigentlich auch vorher schon klar. Der Grund dafür ist ein ganz einfacher: Es ist so herrlich trivial. Man muss dafür praktisch nichts recherchieren, man muss niemanden interviewen, man muss keine Ortstermine wahrnehmen. Man muss einfach nur die im kollektiven Gedächtnis verankerten alten Anekdoten von Helmut Kohls angeblichem “You can say you to me” (das er nie gesagt hat) und Heinrich Lübkes wörtlichen Übersetzungen (zu denen auch viel hinzugedichtet wurde) herauskramen. Gegenbeispiele fallen dabei gemeinhin unter den Tisch. Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog hat einst seinen Sprachmittler mitten im Einsatz von seinen Aufgaben entbunden, weil er merkte, dass dieser Mumpitz dolmetschte. Satt dessen werden die Sprach-Histörchen gern mal mit einer Prise Europa-Skeptizismus garniert. Englisch habe Deutsch in der EU den Rang abgelaufen, heißt es da etwa, und die “Bild” stellt gar die unhaltbare Behauptung auf: “Hierzulande wird immer mehr Englisch statt Deutsch gesprochen”. Tatsächlich rangierte Deutsch als Arbeitssprache in der Europäischen Union noch nie vor Englisch und Französisch, übersetzt und gedolmetscht hingegen wird jede Amtssprache der Mitgliedstaaten immer gleichberechtigt. Dennoch wurden durch die Berichterstattung über Westerwelles Pressekonferenz letztlich nur hüben wie drüben Ressentiments geschürt. Insofern ist es gut, dass sich der Sturm im Wasserglas schnell wieder gelegt hat.

guido-westerwelle-lost-in-translationIch selbst habe mal einen Artikel über den “Starr Report” zur Lewinsky-Affäre um Bill Clinton geschrieben. Zur Erinnerung: Der Untersuchungsbericht war knapp 450 Seiten stark und doch binnen weniger Tage in gleich mehrere Sprachen “übersetzt”, weil er durch eine Maschine gejagt worden war. Entsprechend belustigend waren die Ergebnisse. Da der Bericht öffentlich war, konnte ich problemlos vom heimischen Schreibtisch aus ein paar besonders anschauliche Stellen kopieren und einen kleinen Artikel darüber schreiben. Aber selbst im Studentenstädtchen Germersheim mit all seinen Sprachmittlerinnen und Sprachmittlern hat das damals keinen Hund hinterm Ofen hervorgelockt. Auch jetzt, wage ich mal zu behaupten, wird das nicht anders sein, wenn es nicht pfiffig angepackt wird. Wie das aussehen könnte, hat Richard Schneider auf uepo.de vorgemacht. Eine weitere Möglichkeit wäre vielleicht, das Westerwelle-Video nach den ersten Passagen mit einem augenzwinkernd vorgetragenen Off-Text zu belegen (”Sparen Sie sich Diskussionen. Engagieren Sie Dolmetscher.”). Das bleibt haften, ist zeitgemäß und birgt zudem nicht die Gefahr, mit den Negativaspekten dieser Episode assoziiert zu werden.

Mario Nowak



Themenverwandte Artikel:

Guido Westerwelle kann Englisch

Guido Westerwelle weigert sich, in Deutschland für einen BBC-Reporter englisch zu sprechen und wird dafür natürlich wunderschön von allen Medien verrissen.

In einer der größeren deutschen Übersetzer-Mailinglists hat eine Kollegin einen Aufruf zur Leserbriefaktion “Guido spricht Deutsch” gestartet, die Kollegen gebeten “diese Chance für unseren Berufsstand zu nutzen” und selbst nachfolgenden Leserbrief an ein Lokalblatt gesendet:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich kann Ihre Schelte nicht verstehen. Herr Westerwelle ist deutscher Muttersprachler und in der eigenen Muttersprache kann man sich nun mal am besten ausdrücken. Ich finde es richtig und gut, dass er darauf besteht, konsequent seine Muttersprache zu benutzen. Für die Übertragung des gesprochenen Wortes sind in dem Fall die qualifizierten Konferenz-Dolmetscher und -Dolmetscherinnen zuständig. Sie sind die Mittler zwischen den Sprachen und Kulturen und haben dafür eine langjährige Ausbildung durchlaufen. Herr Westerwelle kann sich auf seine Antworten konzentrieren und muss nicht auch noch überlegen, wie er das in einer für ihn fremden Sprache ausdrücken muss. Englischkenntnisse sind im täglichen Leben sicherlich von Vorteil. Aber im Geschäftsleben und in der Politik, wo es auf Inhalte und Genauigkeit ankommt, sollte man die Sprachmittlung doch lieber den Fachleuten überlassen!

Dass sein Englisch ganz passabel ist, beweist Guido Westerwelle auf Twitter – okay, die ein oder andere kleine Schwäche seiner englischen Diktion wird man feststellen, aber die hat er ja auch im Deutschen: “Es ist Deutschland hier.”



Themenverwandte Artikel:

Website Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ)

Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer und die Barrierefreiheit im Netz

Schlechter geht’s nicht, dachte ich immer, wenn ich auf der Website des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) gelandet bin, einer absurden Framekonstruktion aus dem vorigen Jahrhundert, deren Unterseiten man gar nicht verlinken kann.

Da habe mich geirrt, es geht noch schlimmer: Wer sich mal so richtig die Augen weh tun will, kann ja mal die an Körperverletzung grenzende Webpräsenz des BDÜ Landesverbandes NRW besuchen und ein paar Minuten lang die kleine weiße Schrift auf blauem Grund lesen oder in den grauen Menülinks herumklicken.

Wann endlich werden Webstandards Gesetz, wird dieses Zeug verboten? Scheint wohl doch noch etwas zu dauern: “Die Vorgabe der Europäischen Kommission, bis 2010 öffentliche Websites zu 100 Prozent barrierefrei zugänglich zu machen scheint praktisch nicht erreichbar”, meint der Bundesrat [heise.de].

Link: Barrierefreies Webdesign Web4all – Barrierefreies Webdesign

Link: Barrierefreies Webdesign Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz Barrierfreies Webdesign - BITV



Themenverwandte Artikel:

Übersetzungen online verhökern

leginda Nach Tolingo (siehe hier), dem 2008 an den Start gegangenen, ersten deutschen Übersetzungsservice, bei dem die gesamte Auftragsabwicklung online abläuft, kommt jetzt Leginda.

Klingt zwar eher nach einer Damenbinde, ist aber ebenfalls ein mechanischer Übersetzungs-Türke*.

Die Website sieht auf den ersten Blick genauso aus, wird aber in den Ergebnislisten der Suchmaschinen kaum eine Chance gegen Tolingo haben, das schon von Anfang an ganz oben mitmischt, sich jede Menge Links von Universitäten und anderen Autoritäten verschafft hat… Links gekauft haben sie sicher nicht, ist ja verboten.

Ich habe gleich mal 100 Zeilen in das entsprechende Textfeld zur Berechnung des Preises kopiert: ca. 1,- Euro pro Zeile, das heißt zwischen 0,65 und 0,75 sollten dort zu holen sein.

Schnell anmelden, also!

* 1gramm.de: Aaron Koblin, The Sheep Market – Amazons Mechanischer Türke. Das digitale Weltproletariat.



Themenverwandte Artikel:

Übersetzungen Preise reloaded

Ich hab mal irgendwo gehört, dass auch die Nachfrage den Preis bestimmt. Wenn ich manche Beiträge zum momentan vieldiskutierten Preisverfall in der Übersetzerbranche in einer der größeren deutschen Übersetzer-Mailinglisten lese, scheint das ja völliger Quatsch zu sein.

Ob man mit der Tatsache, dass die Gelder momentan nicht mehr so fließen, wie noch vor zwei Jahren konfrontiert wird oder nicht, hängt natürlich auch davon ab, in welchem Bereich man arbeitet. Bei uns (technische Übersetzungen für vorwiegend deutsche Firmenkunden) ist es jedenfalls seit ca. 1 1/2 Jahren massiv spürbar und ich denke, auch nicht direkt Betroffene haben irgendwie mitgekriegt, dass so einige deutsche, insbesondere mittelständische Unternehmen in echte Schwierigkeiten geraten sind und nicht jeden Preis für die allfälligen Übersetzungen ihrer technischen Dokumentationen bezahlen können.

Ich weiß nicht, wie es im Umgang mit Agenturen ist, aber bei direkten Kunden, kann man schon eine Menge machen, ohne sich unter Wert zu verkaufen:

Vor ein paar Wochen habe ich eine vielversprechende Anfrage einer deutschen Firma erhalten, PDF-Datei, ca. 3500 Normzeilen, technische Dokumentationen mit allem drum und dran. Auf mein Angebot erhielt ich die Antwort: „Das ist viel zu teuer!“
Man konnte irgendwie aus der Mail herauslesen, dass der Mann angesichts des Preises wirklich schockiert war. Ich habe natürlich sofort zurückgeschrieben, dass ein professioneller Übersetzer, geschweige denn eine Agentur, an die man im Netz nach Übersetzungsdienstleistern suchend ja meistens gerät, unseren Preis sicher nicht wesentlich unterbieten kann und ihm vorgeschlagen, die Texte zu kürzen.
Hat er gemacht; von den 3.500 Zeilen PDF sind noch 1.600 Zeilen MSWord übriggeblieben. Der für den Kunden dafür akzeptable Zeilenpreis lag dabei noch über dem für die ursprünglichen 3.500 Zeilen angesetzten und am Ende waren alle zufrieden.



Themenverwandte Artikel:

Übersetzung Photovoltaik

Ich weiß nicht, wieviele Photovoltaik-Übersetzungen aus dem Italienischen ins Deutsche ich in den letzten Jahren angefertigt habe; jedenfalls sind meine Translation-Memories voll davon und ich schreibe das Zeug inzwischen im Schlaf runter.

SolartechnikEs ist ja bezeichnend, dass Italien, wo immer die Sonne scheint, die Bauelemente für Photovoltaikanlagen in Deutschland, wo es immer regnet, bestellen muss und deutsche Firmen mit dem Bau der Anlagen beauftragt.

Einigermaßen beeindruckt waren wir vor einigen Jahren auf einer Kurzreise nach München zu einem Auftraggeber, dass ab 22:00 Uhr die Straßen auf einmal merklich dunkler wurden, weil nur noch jede zweite Straßenlaterne eingeschaltet war; die Rolltreppen in den U-Bahnhöfen fuhren erst an, wenn man sich ihnen näherte; Zeituhren für die Haustreppenbeleuchtung kenne ich schon seit meiner Kindheit.

In Italien undenkbar: Unser verschlafenes Dorf am Meer, Ostia (Rom), leuchtet jede Nacht, auch im Winter, wenn überhaupt keiner da ist, wie Las Vegas; in allen Hausfluren brennt das Licht die Nächte durch, und das, obwohl Italien ungefähr die Hälfte seines Strombedarfs in Deutschland und Frankreich einkaufen muss. Jetzt versuchen sie der Sache also mit deutscher Solartechnik beizukommen. Soll mir recht sein.

Armes, dummes Italien.



Themenverwandte Artikel:

Featured Posts

Konto in der Schweiz

Kurze Vorbemerkung I zum Thema Konto in der Schweiz: Ich selbst bin keiner, der hinter dem Geld her ist, bringe sowieso alles in d

Read More

Auftrags-Konversionsrate steigern

Konversionsrate bei Übersetzungsanfragen Ich bin eigentlich nicht gerade fixiert auf das Thema Preise, Geld, usw., aber in letzt

Read More

Prokrastination. Übersetzungen prokrastinieren.

Vor ein paar Tagen habe ich den Auftrag angenommen, ungefähr das gesamte Tourismusangebot des Nordostens Italiens zu übersetzen.

Read More

Transit Satellite PE? Nein danke!

Transit Satellite PE ist ein Schlag ins Gesicht des Übersetzers, der nicht nur bestohlen, sondern total entmündigt wird. Vor Ku

Read More